Ein Heimatverein voller Geschichten

Mir gefällt es, mit guten Freunden über Sinn und Unsinn des Lebens, über Wünsche, Ziele und mehr ernsthaft zu reden oder übermütig zu spinnen. 
Es ist es an der Zeit, endlich Erlebnisse und Geschichten freizulassen, die mir schon lange im Kopf umherwandern. So schaffe ich vielleicht Platz für Neues :-)    
Es ist ein Phänomen, dass ich in den letzten Jahren viele Wege bewusst allein beschritten habe, aber mehr Weggefährten gefunden habe, als in den Jahrzehnten davor. 
"Reden hilft und fragen bildet." 
Ich werde diese kleinen Geschichten Episoden nennen und von Zeit zu Zeit einstellen.
Schnell geht da allerdings nichts. Warum? Es hat sich ungeplant und unerwartet  die Freude am Schreiben, am Geschichten erfinden und an der Verarbeitung von eigenen Erfahrungen eingeschlichen. Mein erster "Glücklicher-Insel-Roman" wächst und gedeiht dank meiner zeitaufwändigen Pflege.

Wie die Schreiblust gekommen ist?
Ich habe sie nicht gesucht. Sie hat mich gefunden.
Wie das geht? Man steht auf und tut, was einem guttut.

Vor einem Jahr bin ich in den Verein Werderaner Freunde eingetreten. Zum einen, weil ich dort auf eine gute Truppe Menschen getroffen bin, die sich für die Geschichte und das Leben auf unserer glücklichen Insel interessieren. Auf der anderen Seite habe ich interessante Fakten erfahren, die ich in meine Geschichte einfügen kann. 
 

Verpasse keinen Tag. Es ist Dein Leben und Du bestimmst mit, ob es ein erfüllter Tag werden wird. 

Ein Abend mit Frau Toepel:

Kindheitserinnerungen:

Kindheitserinnerungen Frau Toepel
Jeden zweiten Mittwoch im Monat treffen sich die Freunde des Werders vom Heimatverein Werderaner Freunde e.V. in ihren Vereinsräumen zur Mittwochsgesellschaft. Diese Gesellschaft hat eine sehr lange Tradition. Für mich, als neues Mitglied, war es das erste Mal, dass ich teilnahm. Ich war sehr gespannt, was mich erwarten würde. Seit fast 20 Jahren lebe ich schon auf dieser von Klopstock benannten „Glücklichen Insel“ und weiß mein Glück, zwischen der Alten Elbe und der Stromelbe zu wohnen sehr zu schätzen. 

Für die Literatur im Vorraum des Vereins-saales hatte ich zunächst noch kein Auge. Mehr interessierten mich die Menschen und das, was sie zu sagen hatten. Kurz vor 18 Uhr waren schon gut 40 Frauen und Männer an der langen Tafel versammelt. Das leise Getuschel verriet mir, dass man sich gut kannte und sich über das Wiedersehen freute. 

Parallel zu der langen Tafel stand ein runder Tisch, fein mit Blumen, Mikrofonen und Getränken dekoriert. Dazu zwei gemütliche Korbsessel. 

Das Gemälde vor dem Tisch hatte eine beachtliche Größe, einen Goldrahmen und zeigte einen beeindruckenden Blick auf die Elbe in Richtung Stadt.  (Bild 1)

An der Wand dahinter, für alle gut sichtbar eine Projektionswand, die den sehr persönlichen Blick zweier Mädchen auf die Elbe zeigte.
Die ersten Werderfreunde zückten schon das Handy, um diese Details für später festzuhalten.  (Bild 2)

Der Vorsitzende des Vereins, Rene Stelzer begrüßte die Anwesenden und übergab das Mikrofon an den Moderator des Abends, Frank Kornfeld. Dieser wiederum holte sich aus dem Publikum den Star des Abends an den Tisch, Frau Toepel. Eine kleine, zierliche Frau mit weißem Pagenschnitt und einer fast mädchenhaften Erscheinung nahm auf dem zweiten Sessel Platz. Sie bedankte sich für den begleitenden Applaus. Sie wollte uns an diesem Abend über ihre Kindheitserinnerungen erzählen. Die nette Frau verbrachte. Ihre Kindheit, seit 1928 in der Kahnstraße, Ecke Zollstraße. Sie erzählte uns als erstes, dass das Gemälde eine Kopie ist. Das Original befindet sich bei ihrer Schwester in Würzburg. Frau Toepel ist mit ihren 96 Jahren glücklich, dass sie noch regelmäßigen telefonischen Kontakt zu ihrer älteren Schwester in Würzburg hat.   Es war erstaunlich zu hören, wie präzise ihre Erinnerungen an die Handelsschifffahrt waren. Sie wusste genau, wo die Schiffe standen und auf die Be- oder Entladung warteten. Die meisten Waren wurden in Säcken transportiert. Das kleine Mädchen hatte schnell herausgefunden, dass so ein Sack auch manchmal ein Loch hat. So führte sie ihr Weg von der Schule nach Hause oft an den Ladewegen entlang. Ihre Brottasche war leer. Platz für eine Menge heruntergefallener Erdnüsse. Voller Vorfreude trug sie diese nach Hause, schnell die Schalen ab und mit den Nüssen ab in die Pfanne. Das gab eine köstliche Mahlzeit. 

Frau Toepel erklärte den Zuhörern, was eine Hulve ist. Eine so genannte Plattform aus Holz diente als Ebene zum Abladen/Zwischenlagern von Waren. Wenn die Hulven nicht belegt waren, malten sich die Kinder Grundrisse von Wohnungen auf die Ebene und spielten „Unsere eigene Wohnung.“
Sie erzählte uns auch von den Badeanstalten an der Elbe und an ihre ersten Begegnungen im Bad. Ihre Badeanstalt war am Ostende. 

Sie konnte sich genau an ihr Nichtschwimmerbecken, gleich rechts vom Eingang, erinnern. Sie übte dort als Erstes das Tauchen. Später, als sie die Rutsche für Kinder benutzen wollte, präparierte sie der Bademeister mit Schwimmhilfen. Es klappte. Irgendwie paddelte sie wieder zum Beckenrand. 
Schwimmen lernte sie später. Auch hier konnte man Glück oder Pech mit dem Bademeister haben. Ihre arme große Schwester hatte Pech. Ihr grober Lehrer nahm sie, wie damals üblich, an die Angel. Noch bevor sie sicher im Wasser schwimmen konnte, ließ er sie hin und wieder mit einem schnellen Absenken der Angel kurz untertauchen. Das Kind fand das gar nicht lustig und ging ungern zum Schwimmunterricht. 

Insgesamt gab es schon vor weit über 100 Jahren einige Bademöglichkeiten in der Elbe. Im Jahr 1896 befand sich am Winterhafen sogar ein Schwimmklub.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts durften allerdings nur männliche Erwachsene die Badeanstalten benutzen. Irgendwann beschwerten sich die Bewohner öffentlich über diesen Umstand. Im Ergebnis wurde im Jahr 1855 das erste Damenbad an der Elbe eröffnet. Allerdings ging das nicht ohne einen vorherigen gewissen Kampf. Zunächst war in der Volksstimme infolge von fordernden Leserbriefen zu lesen „Wozu soll ein Weibsbild das Schwimmen lernen, wenn es später am Herde steht?“   

Über 90 Minuten plauderte Frau Toepel mit Frank Kornfeld über erstaunliche historische Besonderheiten und Ereignisse auf der glücklichen Insel. Dabei stammten die Erkenntnisse von Frank logischerweise aus seinen unermüdlichen Recherchen zur Historie der Insel. Einige Fakten will ich hier noch kurz zusammenfassen.

Am Fuße der Zollbrücke gab es im Böschungsbereich eine Eisdiele mit dem Namen: „Zum kalten Kuss“.

Unglaublich war die Information, dass die Schiffe früher mit Treidlern nach Hamburg transportiert wurden. Zum Treideln benutzte man bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Treidelpferde oder Treidelknechte. Diese zogen das Schiff an bis zu zwei Zoll dicken Hanfseilen stromaufwärts.    Für den Rückweg wurde die Strömung des Flusses genutzt. 

Wenige von uns Zuhörern wussten, dass die Straßenbahn früher auch über den Werder fuhr. Es gab zwei Linien. Eine fuhr durch die Mittelstraße - Weidenstraße – Oststraße.

Dafür ersehnten sich viele ein neues Seebad-Idyll. Da gab es doch vor langer Zeit tatsächlich weißen Sand, Strandkörbe und eine Reihe Badehäuser an der Elbe. Das wird wohl ein Traum bleiben.

Genauso endgültig vorbei, wie die Arbeit des Fährmannes der von Buckau zum Stadtpark übersetzte. Im Winter, wenn dicke Eisschollen ein Übersetzen der Fähre unmöglich machten, bestreute er einen „Weg“ über das Eis mit Sand und nahm für das „Überlaufen“ 5 Pfennige pro Person.
Zum Schluss noch einmal zur Handelsschifffahrt. Da gab es doch auf der Elbe einen schwimmenden Kiosk. Der Betreiber dieses Dampfers kaufte seine Waren beim Händler Wuttge und verkaufte sie während der Fahrt der Handelsschiffe zum Be- oder Entladen, indem er neben ihnen herfuhr. 

Wir bedanken uns herzlich für alle, die am Gelingen dieses Abends beigetragen haben. Besonderen Dank an Frau Toepel für ihre sehr persönlichen Rückblicke. 

10. Oktober 2024 

Petra C. Schulz

 

 

 

 

Galerie zum Vortrag

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